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Was ist ein Bürgermeister eigentlich genau?

Was ist ein Bürgermeister? Aufgaben, Direktwahl, Amtszeit und Besoldung in Baden-Württemberg verständlich erklärt – inklusive Unterschied zum OB.

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Er eröffnet das Stadtfest, unterschreibt Verträge und leitet die Sitzungen des Gemeinderats — doch was ist ein Bürgermeister eigentlich genau, rechtlich betrachtet? Die Antwort hängt stärker vom Bundesland ab, als viele vermuten. In Baden-Württemberg ist der Bürgermeister zugleich Chef der Verwaltung, Vorsitzender des Gemeinderats und direkt gewähltes Gesicht der Gemeinde, und er bleibt acht Jahre im Amt. Der folgende Überblick erklärt Aufgaben, Wahl, Besoldung und den Unterschied zum Oberbürgermeister — mit Blick auf die Gemeinden und Städte zwischen Bühl, Achern und dem Oberrhein.

Was ist ein Bürgermeister? Die Rolle in der Kommunalpolitik

Ein Bürgermeister ist das Oberhaupt einer Gemeinde oder Stadt. Welche Befugnisse mit diesem Amt verbunden sind, legt in Deutschland jedes Bundesland in seiner eigenen Gemeindeordnung fest. Deshalb unterscheidet sich die Rolle zwischen Kehl und Kiel teils erheblich. In Baden-Württemberg gilt die sogenannte Süddeutsche Ratsverfassung: Die Bürgerinnen und Bürger wählen zwei Organe getrennt und direkt — den Gemeinderat als Volksvertretung und den Bürgermeister als Verwaltungschef. Andere Modelle, in denen der Rat den Verwaltungschef bestimmt, haben im Südwesten keine Tradition.

Der Hintergrund ist die kommunale Selbstverwaltung, die das Grundgesetz den Gemeinden garantiert. Sie dürfen die Angelegenheiten der örtlichen Gemeinschaft in eigener Verantwortung regeln — vom Kindergarten über den Friedhof bis zum Bebauungsplan. Damit diese Selbstverwaltung funktioniert, braucht es eine Person, die Entscheidungen vorbereitet, umsetzt und dafür geradesteht. Genau das ist der Kern des Bürgermeisteramts.

Ein Gemeindeorgan mit Doppelfunktion

Rechtlich ist der Bürgermeister in Baden-Württemberg eines der beiden Organe der Gemeinde. In aller Regel ist er hauptamtlicher Beamter auf Zeit; in sehr kleinen Gemeinden kann das Amt auch ehrenamtlich geführt werden. Er sitzt dem Gemeinderat vor, ist dort stimmberechtigtes Mitglied und leitet gleichzeitig die gesamte Gemeindeverwaltung. Diese Doppelrolle macht das Amt im Bundesvergleich ausgesprochen einflussreich: Wer die Tagesordnung des Rates bestimmt und zugleich die Verwaltung führt, die dessen Beschlüsse vorbereitet und umsetzt, prägt die Entwicklung einer Gemeinde über Jahre.

Wer ist der Bürgermeister meiner Gemeinde?

Wer wissen möchte, wer im eigenen Rathaus an der Spitze steht, findet die Antwort auf der Internetseite der Gemeinde, im Amtsblatt oder direkt im Bürgerbüro. Dort erfahren Sie auch, wer den Bürgermeister vertritt: In größeren Städten sind das hauptamtliche Beigeordnete, in kleineren Gemeinden ehrenamtliche Stellvertreter aus der Mitte des Gemeinderats. Viele Anliegen lassen sich ohnehin unmittelbar vor Ort klären — wie ein Besuch ohne Termin im Bürgeramt gelingt, lesen Sie in unserem Ratgeber.

Welche Aufgaben hat der Bürgermeister? Zwischen Verwaltung und Repräsentation

Die Frage, welche Aufgaben der Bürgermeister hat, lässt sich in drei Bereiche gliedern: Er führt die Verwaltung, er leitet den Gemeinderat, und er vertritt die Gemeinde nach außen. Im Alltag greifen diese Rollen ständig ineinander.

Leitung der Gemeindeverwaltung

Als Verwaltungschef ist der Bürgermeister Vorgesetzter aller Beschäftigten im Rathaus, im Bauhof und in den kommunalen Einrichtungen. Er verantwortet die sachgerechte Erledigung der Aufgaben, vollzieht den Haushalt und erledigt die laufenden Geschäfte in eigener Zuständigkeit. Hinzu kommen sogenannte Weisungsaufgaben, die das Land den Gemeinden überträgt — etwa im Melde- und Passwesen oder als örtliche Ordnungsbehörde. Hier handelt der Bürgermeister nicht allein im Auftrag seiner Bürger, sondern auch als Teil der staatlichen Verwaltung.

Vorsitz im Gemeinderat

Im Gemeinderat bereitet der Bürgermeister die Sitzungen vor, beruft sie ein, stellt die Tagesordnung auf und leitet die Beratung. Nach der Abstimmung ist er dafür zuständig, die Beschlüsse umzusetzen. Hält er einen Beschluss für rechtswidrig, muss er ihm widersprechen; in dringenden Fällen, in denen der Rat nicht rechtzeitig zusammentreten kann, darf er eine Eilentscheidung treffen und das Gremium anschließend unterrichten. Wie die Arbeit im Rat aus Sicht der Mitglieder aussieht, beschreibt der Beitrag Lokalpolitik hautnah: Mitglied im Gemeinderat werden.

Repräsentation nach außen

Schließlich vertritt der Bürgermeister die Gemeinde rechtlich und gesellschaftlich. Er unterzeichnet Verträge, empfängt Gäste, pflegt Städtepartnerschaften und ist bei Vereinsjubiläen, Einweihungen und Gedenkfeiern präsent. Für viele Bürger ist er damit das sichtbarste Gesicht der Kommunalpolitik — und der erste Ansprechpartner, wenn es um Straßensanierung, Kita-Plätze oder ein neues Baugebiet geht.

Wahlrecht und Voraussetzungen: So wird man zum Gemeindechef

In Baden-Württemberg wählen die Bürgerinnen und Bürger ihren Bürgermeister direkt — eine Besonderheit, die der Südwesten schon seit Jahrzehnten kennt und die das Amt stark an die Bevölkerung bindet. Der Wahlkampf ist entsprechend persönlich: Kandidierende stellen sich auf Marktplätzen, an Haustüren und in öffentlichen Vorstellungsrunden vor.

Amtszeit und Ablauf der Bürgermeisterwahl

Wie lange ist man Bürgermeister? In Baden-Württemberg beträgt die Amtszeit acht Jahre. Eine Wiederwahl ist möglich, und viele Amtsinhaber werden mehrfach im Amt bestätigt; Amtszeiten von 16 oder 24 Jahren sind keine Seltenheit. Andere Länder handhaben das anders: In Bayern etwa dauert eine Amtszeit sechs Jahre.

Vor jeder Wahl wird die Stelle öffentlich ausgeschrieben, in Baden-Württemberg im Staatsanzeiger. Wer sich bewerben will, reicht seine Bewerbung innerhalb der festgesetzten Frist bei der Gemeinde ein. Viele Gemeinden veranstalten anschließend eine öffentliche Kandidatenvorstellung, bei der alle Bewerber sich und ihre Pläne unter gleichen Bedingungen präsentieren — für Wählerinnen und Wähler oft die beste Gelegenheit, die Kandidierenden direkt zu vergleichen.

Gewählt ist im ersten Wahlgang, wer mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhält. Gelingt das niemandem, folgt eine Neuwahl, bei der die meisten Stimmen genügen; dabei dürfen sich auch neue Bewerber zur Wahl stellen. Wahlberechtigt sind Deutsche und Bürger anderer EU-Staaten ab 16 Jahren, die seit mindestens drei Monaten in der Gemeinde wohnen. Wie Sie bei Kommunalwahlen vorgehen, erklärt die Anleitung zum Thema Gemeinderat wählen; ob und wann Menschen ohne deutschen Pass mitbestimmen dürfen, klärt unser Beitrag zum Kommunalrecht für Ausländer.

Wer darf Bürgermeister werden?

Kandidieren dürfen Deutsche sowie Bürger anderer EU-Staaten. Anders als viele vermuten, müssen Bewerber weder in der Gemeinde wohnen noch einer Partei angehören. Tatsächlich treten in Baden-Württemberg viele Kandidierende parteiunabhängig an. Die genauen Wählbarkeitsvoraussetzungen, darunter die Altersgrenzen, legt die Gemeindeordnung fest; wer eine Bewerbung erwägt, sollte den aktuellen Stand bei der Gemeinde oder der zuständigen Rechtsaufsicht prüfen. Eine bestimmte Ausbildung schreibt das Gesetz nicht vor. In der Praxis bringen jedoch viele Amtsinhaber ein Studium der öffentlichen Verwaltung mit — nicht selten von der Hochschule in Kehl, die direkt am Oberrhein liegt.

Besoldung und Gehalt: Was verdient ein Bürgermeister in Baden-Württemberg?

Die Besoldung der Bürgermeister in BW ist gesetzlich geregelt — verhandelt wird darüber nicht. Maßgeblich ist das Landeskommunalbesoldungsgesetz. Es ordnet hauptamtliche Bürgermeister als Beamte auf Zeit einer Besoldungsgruppe zu, die sich vor allem nach der Einwohnerzahl der Gemeinde richtet. Je größer die Gemeinde, desto höher die Einstufung: Kleinere Gemeinden liegen in der Besoldungsordnung A, größere Städte in der Besoldungsordnung B.

GemeindetypForm des AmtesGrundlage der Vergütung
Sehr kleine Gemeindehäufig ehrenamtlichAufwandsentschädigung nach örtlicher Regelung
Kleinere und mittlere Gemeindehauptamtlich, Beamter auf ZeitBesoldungsordnung A, abhängig von der Einwohnerzahl
Große Kreisstadt und Stadtkreishauptamtlich, OberbürgermeisterBesoldungsordnung B, abhängig von der Einwohnerzahl

Zur Grundbesoldung kommt in der Regel eine Aufwandsentschädigung für die repräsentativen Pflichten hinzu. Wer sich über konkrete Beträge informieren möchte, findet die jeweils gültigen Besoldungstabellen beim Landesamt für Besoldung und Versorgung Baden-Württemberg; da die Tabellen regelmäßig angepasst werden, lohnt ein Blick auf den aktuellen Stand statt auf ältere Zahlen aus dem Netz.

Wichtig für die Einordnung ist auch, was das Gehalt abdeckt: Abendtermine, Wochenendveranstaltungen und ständige Erreichbarkeit gehören zum Amt, feste Arbeitszeiten gibt es kaum. Nach dem Ausscheiden richtet sich die Versorgung unter anderem nach der Dauer der Amtszeit. Wer die Bürgermeisterbesoldung mit regulären Berufen vergleichen möchte, kann den Gehaltscheck der Bundesagentur für Arbeit nutzen, der Verdienste nach Region aufschlüsselt.

Bürgermeister vs. Oberbürgermeister: Wo liegen die Unterschiede?

Der Unterschied zwischen Bürgermeister und Oberbürgermeister ist in Baden-Württemberg vor allem eine Frage der Stadtgröße und des Status — nicht der grundsätzlichen Aufgaben. Auch der Oberbürgermeister wird direkt für acht Jahre gewählt, leitet die Verwaltung und sitzt dem Gemeinderat vor.

Große Kreisstadt und Stadtkreis

Den Titel Oberbürgermeister führen die Verwaltungschefs der Stadtkreise und der Großen Kreisstädte. Zur Großen Kreisstadt kann eine Gemeinde mit mehr als 20.000 Einwohnern auf Antrag erklärt werden; sie übernimmt dann zusätzliche Aufgaben, etwa als untere Baurechtsbehörde. In der Region sind Bühl und Achern Große Kreisstädte, Baden-Baden ist ein Stadtkreis. Dort tragen zudem die Beigeordneten, die einzelne Dezernate leiten, den Titel Bürgermeister — wer also in einer größeren Stadt einen Bürgermeister trifft, spricht unter Umständen mit dem Leiter des Bau- oder Sozialdezernats und nicht mit dem Stadtoberhaupt.

Was ist ein Regierender Bürgermeister?

In den Stadtstaaten hat das Amt eine völlig andere Bedeutung. Der Regierende Bürgermeister von Berlin ist Chef einer Landesregierung und damit mit einem Ministerpräsidenten vergleichbar. Ähnlich ist es in Hamburg mit dem Ersten Bürgermeister und in Bremen mit dem Präsidenten des Senats. Mit der Kommunalpolitik einer badischen Gemeinde hat diese Rolle wenig gemein.

Am anderen Ende der Skala stehen ehrenamtliche Bürgermeister kleiner Gemeinden, die ihr Amt neben dem Beruf ausüben. Sie verbinden Verwaltungsverantwortung mit dem, was ein Ehrenamt in der Gemeinde im Kern ausmacht: freiwilligen Einsatz für die eigene Gemeinschaft.

Häufige Fragen (FAQ)

Häufige Fragen

Was ist ein Bürgermeister?
Ein Bürgermeister ist das Oberhaupt einer Gemeinde oder Stadt. In Baden-Württemberg ist er neben dem Gemeinderat eines der beiden Gemeindeorgane: Er leitet die Verwaltung, sitzt dem Gemeinderat mit Stimmrecht vor und vertritt die Gemeinde nach außen.
Welche Aufgaben hat der Bürgermeister?
Er führt die Gemeindeverwaltung und ihr Personal, vollzieht den Haushalt und erledigt die laufenden Geschäfte. Er bereitet die Sitzungen des Gemeinderats vor, leitet sie und setzt die Beschlüsse um. Außerdem repräsentiert er die Gemeinde, unterzeichnet Verträge und erfüllt vom Land übertragene Weisungsaufgaben, etwa im Meldewesen.
Wie lange ist man Bürgermeister?
In Baden-Württemberg beträgt die Amtszeit acht Jahre. Eine Wiederwahl ist möglich, viele Amtsinhaber bleiben deshalb zwei oder mehr Amtszeiten im Amt. In anderen Bundesländern gelten andere Fristen, in Bayern zum Beispiel sechs Jahre.
Wer darf Bürgermeister werden?
Kandidieren dürfen Deutsche und Bürger anderer EU-Staaten. Ein Wohnsitz in der Gemeinde und eine Parteimitgliedschaft sind nicht erforderlich. Die genauen Wählbarkeitsvoraussetzungen einschließlich der Altersgrenzen regelt die Gemeindeordnung; viele Bewerber bringen ein Studium der öffentlichen Verwaltung mit.
Wie hoch ist das Gehalt eines Bürgermeisters in BW?
Hauptamtliche Bürgermeister werden nach dem Landeskommunalbesoldungsgesetz bezahlt. Die Besoldungsgruppe richtet sich vor allem nach der Einwohnerzahl: kleinere Gemeinden in der Besoldungsordnung A, größere Städte in der Besoldungsordnung B. Hinzu kommt meist eine Aufwandsentschädigung. Aktuelle Beträge veröffentlicht das Landesamt für Besoldung und Versorgung.
Was ist der Unterschied zwischen Bürgermeister und Oberbürgermeister?
Die Aufgaben sind im Kern gleich. Den Titel Oberbürgermeister tragen in Baden-Württemberg die Verwaltungschefs von Stadtkreisen und Großen Kreisstädten, also Städten mit in der Regel mehr als 20.000 Einwohnern. Dort führen zusätzlich die Beigeordneten den Titel Bürgermeister.